Seit Anfang des Jahres habe ich nun meinen iPod nano G2 in 8GByte. Eigentlich hatte ich mir den Player gekauft um wieder Hörspiele, Lesungen und Podcasts beim Laufen hören zu können. Mein geliebter Nex 2e-Player mit damals sündhaft teurer 512 MByte CF-Carte hatte eine Metamorphose in die Art Elektronikschrott vollzogen, die nur noch dann funktioniert, wenn man es eingentlich nicht braucht.
Von Apple kann man bezüglich Interfaces und Usability offensichtlich auch heute noch einiges lernen. Das einfache und vor allem konsequente Bedienung des iPods macht meiner Meinung nach den Hauptteil des Erfolges aus. Nicht einmal ein bekannt unökologischer und für den Verbraucher unötig teurer Support sowie native Unterstützung propritärer Formate für Audio und Video und Inkompatiblität zu den populären offenen Ogg-Vorbis-Codecs können die Popularität merklich mindern.
iTunes wird seit Jahren von vielen gehypt und als große Revolution gefeiert. Was den Online-Erwerb von Musik angeht, kann ich diese Vorreiterrolle durchaus nachvollziehen. Mit dem Player konnte ich mich dennoch nie so richtig anfreunden. Dass das Interface auf Ebene der Metadaten zu bedienen und filtern ist, scheint essentiell. Doch ist die Bindung an die physischen Daten zu statisch und unflexibel für jemanden der seit Jahren Dateien in Verzeichnisstrukturen und nach bestimmten Nomenklaturen pflegt und diese naturgemäß regelmässig umbenennt und verschiebt.
Komplett ins Abseits hat sich Apple nun mit den neuen Playern um den iPod Touch und den nano G3 gestellt. Die künstliche Aussperrung anderer Mediaplayer aus dem iPod-Management durch Modifikation des Libraryformats sperrt nicht nur Benutzer von nicht durch Apple unterstützten Plattformen aus sondern auch Benutzer wie mich die gerne mit Alternativen von iTunes arbeiten. Aber ich verliere mich in technischer Polemik… vielleicht ein anderes Mal mehr über die Implikationen dieser Maßnahme.
Zurück zum Thema: Wie ich mit dem iPod die Musik wiederentdeckt. Ausgangspunkt war also vergangnes Jahr eine sprichwörtliche Gleichgültigkeit wegen Überangebot an nicht gefallender Musik und einer fehlenden gezielten Auseinandersetzung mit eventuellen Kanidaten. Einen angenehmen frischen Wind in diese Stimung brachte Ende letzten Jahres LastFM, eine Plattform auf der man neue Bands und Musik auf Grund des Hörverhaltens von Nutzern mit ähnlichem Hörprofil bekommt. Vor die Gruppe JMFH bringt mich auf eine ganze Zahl neuer Indie- und US-College-Bands. Was dennoch belibt ist die Tatsache, dass es Zeit und Anstrengung bedeutet sichauf die Such zu begeben. Beides Dinge die man neben Arbeit, Studium, Sport und privaten Verpflichtungen weniger und weniger zu haben scheint. Das Gedudel im Hintergrund während man etwas erledigt hat viel zu dem gleichtültigen Gefühl bezüglich der Musik beigetragen.
Was trug der iPod bei? Wegen meiner Abneigung gegen iTunes und dem persönlichem Musikparadigma in dem ich mich damals befand, spielte ich eine ungewöhnliche Mischung aus neuer, mir unbekannter Musik, mit der ich mich auseinander setzen wollte und Klassikern die ich früher liebte auf den Player. Da ich bald feststellte, dass man beim Laufen nur schwer zu einem neuen Album browsen kann, verwendete ich bald die Shuffle-Funktion und entdeckte so meine Musiksammlung vollkommen neu. Tracks von Alben die ich seit Jahren kannte entdeckte ich so plötzlich für mich. Aber auch neue Alben wurden teilweise zugänglich und interessiert schaute ich ab und zu aufs Display um zu schauen was da gerade unbekanntes spielte. Inzwischen treibe ich Sport nur noch mit der Shuffle-Funktion.
Diese Erfahrung brachte mich bald auf eine Idee: Wenn dies die richtige Gelegenheit und technisch richtige Plattform zum Entdecken neuer Musik ist, was wäre denn wenn ich einen fremden iPod beim Sport dabei hätte? Für mich klingt das nach einer verlockenden Möglichkeit mal andere Dinge kennen zu lernen. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass man nicht einen entgegengesetzten Geschmack hat.